Wetterstation
Markneukirchen

Rückblick

Wetterrückblick & Vergleich


August 2020
August 2021
Mitteltemperatur Niederschlag Sonnenschein
18,6 °C 149,3 l/m² 189,5 Std.
14,6 °C 139,8 l/m² 109,8 Std.


Sommer 2020
Sommer 2021
Mitteltemperatur Niederschlag Sonnenschein
16,8 °C 296,1 l/m² 595,2 Std.
16,4 °C 345,9 l/m² 495,2 Std.


Jahr 2020 (Jan. - Aug.)
Jahr 2021 (Jan. - Aug.)
Mitteltemperatur Niederschlag Sonnenschein
9,6 °C 531,4 l/m² 1.306,1 Std.
7,9 °C 632,1 l/m² 1.029,2 Std.


 RÜCKBLICK SOMMER 2021: Ins Wasser gefallen - Juli und August ohne Hitzetage
  Autor: Florian Wunderlich am 03.09.2021 um 17:54 (UTC)
 
Nach drei Jahren mit teils extrem trockenen und heißen Sommern, wurde dieser Sommer 2021 das exakte Gegenteil. Zwar war der Juni noch sehr sommerlich mit kurzer Hitzewelle, Juli und August waren dann wechselhaft und teils extrem niederschlagsreich.

In den Monaten Juni, Juli und August, die in der Meteorologie den Sommer bilden, wurde eine Durchschnittstemperatur von 16,4 Grad an der Wetterstation Markneukirchen-Platten gemessen. Dies entspricht exakt dem Klimamittel der letzten 30 Jahre. Im Vergleich zur älteren Referenzperiode von 1961 bis 1990 war dieser Sommer aber trotzdem 1,5 Grad zu warm. Mit 17,9 Grad im Mittel war der Juni der wärmste Monat des Sommers, in dem am 19. Juni mit 30,7 Grad auch die höchste Temperatur des gesamten Sommers gemessen wurde. Am 01. Juni wurde mit 4,4 Grad die tiefste Temperatur der drei Sommermonate registriert. Im Juli lag die Monatsmitteltemperatur bei 16,7 Grad und im August bei 14,6 Grad. Ungewöhnlich ist die Tatsache, dass nur am 18. und 19. Juni die 30-Grad-Marke überschritten wurde. Die 25-Grad-Marke (Sommertag) wurde an 19 Tagen erreicht oder überschritten. Zum Vergleich: Im Sommer 2020 gab es 25 Sommertage, 2019 42 Sommertage und 2018 40 Sommertage.

Im Juni lag die Niederschlagssumme mit 66,9 Liter pro Quadratmeter (l/m²) noch knapp in der Nähe des Klimamittels der Referenzperiode 1991 bis 2020. Im Juli und August gab es reichlich Niederschlag. Im Juli fielen 139,2 l/m² und im August nochmals 139,8 l/m². Am 13. Juli kam im Zuge eines heftigen Gewitters eine Tagessumme von 48,9 l/m² zusammen. Insgesamt kam in den Monaten Juni, Juli und August eine Niederschlagssumme von 345,9 l/m², ein Plus von 51 Prozent gegenüber dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020 und knapp 50 Prozent gegenüber 1961 bis 1990. Zum Vergleich: Im Sommer 2019 fiel 200 Liter weniger Regen pro Quadratmeter. Die diesjährige Summe entspricht zudem knapp der Hälfte der gesamten Jahressumme.

Weit unter dem Klimamittel blieb im Sommer die Sonnenscheindauer. Besonders trüb war der August, in dem nur die Hälfte der sonst üblichen Sonnenscheinsumme erfasst werden konnte. Auch der Juli kam nur auf dreiviertel des Klimamittels. Lediglich der Juni konnte dieses erreichen und sogar leicht überschreiten. Insgesamt schien die Sonne vom 01. Juni bis 31. August nur 495,1 Stunden und damit 23 Prozent weniger als in der Referenzperiode von 1991 bis 2020, sowie 18 Prozent weniger als im Zeitraum von 1961 bis 1990.

Der Sommer 2021 war ebenfalls geprägt von zahlreichen Gewitterlagen, die häufig Unwettercharakter erreicht haben. Hagel, Sturmböen und vor allem Starkregen waren in diesen Sommerwochen mehrfach an der Tagesordnung. Katastrophal war nicht zuletzt die Flut in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen Mitte Juli, die hunderttausenden Menschen das Zuhause und mehr als 180 Menschen das Leben nahm.
Die Chronik zur Flut und wie gut Vorhersagen und Warnungen tatsächlich waren, lesen Sie hier.



 

 RÜCKBLICK AUGUST 2021: Sehr nasser und trüber Monat - Nur kurz stabiles Sommerwetter
  Autor: Florian Wunderlich am 03.09.2021 um 17:02 (UTC)
 
Wer in diesem Jahr den Sommerurlaub hierzulande verbracht hat, wurde vom Wetter bitter enttäuscht. Nach dem der Juli schon sehr wechselhaft ausfiel, folgte ein weiterer regenreicher August, der in der zweiten Monatshälfte noch dazu tiefherbstlich herüber kam.

Beginnen wir mit der positiven Seite des Augusts. Zwischen dem 09. und 15. August gab es keinen Niederschlag, dafür aber viel Sonnenschein und zumindest kurz sehr sommerliche Temperaturen. Am 13. August wurde mit 27,8 Grad die Maximaltemperatur des Monats erreicht. Ab 16. August folgte ein markanter Wetter- und Temperatursturz. Bis auf wenige Ausnahmen blieben die Werte fortan unter 20, teils sogar unter 15 Grad. Damit gab es in diesem August nur 3 Tage an dem die Sommertags-Marke von 25 Grad überschritten wurde. An nur 13 Tagen wurde die 20-Grad-Marke erreicht oder überschritten. Zum Vergleich: Im August 2020 wurde an 25 Tagen die 20-Grad-Marke, an 13 Tagen die 25-Grad-Marke und an 5 Tagen die 30-Grad-Marke überschritten. In der eingeflossenen Kaltluft kühlten auch die Nächte schon merklich ab. Am Morgen des 25. August wurde mit 4,6 Grad die tiefste Temperatur gemessen. Am Erdboden sank diese sogar auf 2,8 Grad. Letztlich geht dieser August mit einer Mitteltemperatur von 14,6 Grad an der Wetterstation Markneukirchen-Platten in die Klimageschichte ein. Das ist ein Minus von 2,3 Grad gegenüber dem Klimamittel von 1991 bis 2020 und ein geringes Minus von 0,3 Grad im Vergleich zum Klimamittel der Jahre 1961 bis 1990.

Regenreich ist wohl das treffenste Adjektiv für diesen August 2021. An 20 Tagen fiel Niederschlag, an 4 Tagen lag die Tagessumme über 10 Liter pro Quadratmeter (l/m²). Die größte Niederschlagssumme wurde am 23. August mit 24,6 l/m² gemessen. Auch in den folgenden Tagen bis zum Monatsende fiel besonders viel Regen. Letztlich kam im August eine Summe von 139,8 l/m² zusammen. Dies entspricht einem Plus von fast 94 Prozent, also knapp die doppelte Monatssumme im Vergleich der letzten 30 Jahre. Gegenüber der Jahre 1961 bis 1990 lag das Plus noch bei 75 Prozent.

Vor allem in der zweiten Augusthälfte hatte es die Sonne besonders schwer. An 9 Tagen schien die Sonne weniger als 1 Stunde. Im Gegenzug wurde nur an 4 Tagen 8 Stunden Sonnenschein oder mehr registriert. Insgesamt kam mit einer Sonnenscheindauer von 109,8 Stunden nur rund die Hälfte (~52 Prozent) des Klimamittels 1991 bis 2020 zusammen. Vergleicht man diese Summe mit der älteren Klimareferenzperiode von 1961 bis 1990, entspricht das einer negativen Abweichung von 44 Prozent.

Die Bilanz des Sommers 2021 sieht ähnlich unrühmlich aus. Den Rückblick des Sommers lesen Sie oben.

Der August 2021 im Archiv


 

 RÜCKBLICK JULI 2021: Ein Sommermonat der großen Unwetter, aber ohne Hitze
  Autor: Florian Wunderlich am 03.08.2021 um 08:43 (UTC)
 
Im Juli 2021 erlebte der Westen Deutschlands durch extrem heftigen Starkregen die schlimmste Hochwasser-Katastrophe der letzten Jahrhunderte, die viele Menschenleben gekostet hat. Abseits dieses Unwetter-Tiefs "Bernd" gab es ebenfalls häufig heftige Gewitter mit Unwettercharakter. Auch das Vogtland und Markneukirchen blieb davon nicht verschont.

An der Wetterstation Markneukirchen-Platten gab es im Juli an 15 Tagen Niederschlag. Vom 07. bis 09. und am 11. Juli fiel mehr als 10 Liter pro Quadratmeter (l/qm) am Tag. Am 13. Juli zog ein heftiges Gewitter über die Region und brachte dabei eine Rekordsumme von 43,2 l/qm innerhalb einer Stunde nach der Messung mittels Automat. Insgesamt sind an diesem Tag 48,9 l/qm gefallen, dies war die dritthöchste Tagessumme seit Messbeginn im Juni 2012. Diese Wassermassen verursachten überflutete Straßen, vollgelaufene Keller und viele Feuerwehreinsätze in der Region. Infolge des Starkregens stiegen auch die Wasserstände kleinerer Bäche und Flüsse wie die Weiße Elster. Diese stieg am Pegel Bad Elster laut den Rohdaten des Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) auf einen Rekordwert von 125 Zentimeter. Der bislang höchste Wasserstand wurde in Bad Elster mit 86 Zentimeter gemessen. Auch weiter flussaufwärts führte die Weiße Elster Hochwasser und trat stellenweise über die Ufer. In Adorf wurde mit 146 Zentimeter die Alarmstufe 2 deutlich überschritten. In Magwitz, unterhalb der Talsperre Pirk, in Straßberg und Elsterberg wurde die Alarmstufe 1 überschritten. Nach dem 17. Juli begann eine trockenere Phase mit nur drei weiteren Niederschlagstagen bis Monatsende. Mit 139,2 l/qm war es die dritthöchste Niederschlagssumme eines Monats seit Messbeginn, nur im August 2020 und Mai 2013 fiel noch mehr Regen an der Wetterstation Markneukirchen-Platten. Damit fiel fast 57 Prozent mehr Niederschlag als im Klimamittel der Jahre 1991 bis 2020 und sogar 88 Prozent mehr als im Mittel 1961 bis 1990.

Die Sonne hatte es gegen die häufige Bewölkung schwer. Nur an vier Tagen schien die Sonne über zehn Stunden am Tag. Die höchste Tagessumme wurde erst am 30. Juli mit 14,0 Stunden erreicht. Dagegen gab es an zwei Tagen, am 01. und 02. Juli, überhaupt keinen Sonnenschein. Im Juli schien die Sonne unter dem Strich nur 168,5 Stunden und damit 24 Prozent weniger als im Mittel der letzten 30 Jahre und 19 Prozent weniger als Mittel der Jahre 1961 bis 1990.

Sommerlich warm, aber gänzlich ohne Hitze verlief der Sommermonat. Der wärmste Tag war der 06. Juli mit 26,9 Grad Celsius, gefolgt von 26,7 Grad am 13. und 26,6 Grad am 24. Juli. An drei weiteren Tagen wurde ebenfalls die 25-Grad-Marke. Nur an neun Tagen blieb der Tageshöchstwert unter 20 Grad. Die tiefste Temperatur wurde im Monat Juli am 21. mit 8,4 Grad gemessen. Am Ende lag die Mitteltemperatur des Monats bei 16,7 Grad, dies entspricht einer minimalen negativen Abweichung von einem halben Grad im Vergleich der Jahre 1991 bis 2020, aber ein Plus von 1,3 Grad gegenüber der älteren Referenzperiode von 1961 bis 1990.

Natürlich ist jetzt im August noch alles möglich, doch kann man schon mit recht großer Sicherheit voraussagen, dass dieser Sommer nahezu durchschnittlich bei der Niederschlagsbilanz und eher zu trüb ausfallen dürfte.

Der Juli 2021 im Archiv


 

 SPEZIAL: Die Jahrhundertflut in NRW und Rheinland-Pfalz - War die Katastrophe absehbar?
   Autor: Florian Wunderlich am 16.07.2021 um 18:28 (UTC)
 
SPEZIAL: Die Jahrhundertflut in NRW und Rheinland-Pfalz - War die Katastrophe absehbar?
Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Sobald ein Unwetter Schäden fordert, kommt der Vorwurf, dass niemand gewarnt hätte und die Wettervorhersage versagt habe. Auch jetzt, nach der Katastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz, gab es schnell Äußerungen, die suggerieren, dass keiner gewarnt hat und niemand hätte wissen können, dass so viel Regen fallen wird. Ist das so? Um diese Frage zu klären, blicken wir auf die Analyse und Chronologie der Wettervorhersagen, der Warnlage und der letztlich gefallenen Regenmengen.
Alle unterstrichenen Stellen im Text sind Links zu den Seiten mit dem entsprechenden Inhalt.

Die Berechnungen der Wettermodelle
Bereits am Montag, 05. Juli 2021, neun Tage vor dem Ereignis, deutet das Wettermodell ECMWF (Europäisches Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen) in seiner 00z-Berechnung hohe Niederschlagsmengen bis zum 15. Juli 02 Uhr an. Es war der erste Termin, an dem das ECMWF überhaupt den 14. Juli in die Vorhersage miteinbeziehen konnte.

ECMWF 05. Juli 00z: Wie man sehen kann, wurde für einen Streifen von Sachsen, Thüringen bis zum Alpenrand Niederschlagsmengen von 100 bis 150 Liter pro Quadratmeter (l/m²) in der Spitze berechnet. Logischerweise ist eine Vorhersage, die noch zehn Tage in der Zukunft liegt, höchst unsicher. Dennoch wurde hier ein erster Hinweis gegeben, welches Potenzial die Wetterlage entwickeln könnte. Am Dienstag, 06. Juli berechnete das US-Wettermodell GFS in seinem 06z-Lauf ebenfalls eine Lage mit flächigen Regenmengen um 150 l/m². GFS 06. Juli 06z. Einen Tag darauf wurden auch vom Swiss-MRF Wettermodell Regenmengen bis 200 l/m² im Zeitraum bis zum 15. Juli 02 Uhr berechnet. Swiss-MRF 07. Juli 06z, Swiss-MRF 07. Juli 18z.

Natürlich gab es zwischendurch auch immer wieder Archiv-Bild von einem HochwasserVarianten in den Wettermodellen, die beherrschbare und unspektakuläre Mengen berechnet haben. Wenn über mehrere Tage hinweg von verschiedenen Modellen diese hohen Regenmengen berechnet werden, dann kann man nicht mehr von einem Ausreißer sprechen. Spätestens bis Donnerstag haben sich die Hinweise auf eine mögliche Stark- bzw. Dauerregenlage verdichtet. Wie Sie sehen konnten, rechneten die Wettermodelle bislang den Schwerpunkt von der Landesmitte bis in den Süden. Wie die Modelle schon zu jenem Zeitpunkt richtig erkannt haben, würde es sich um ein abgespaltetes Höhentief handeln, bei dem die genaue Position entscheidend sein wird und häufig nur schwer vorherzusagen ist.

Ab Samstag, 10. Juli verlagerten die Wettermodelle zunehmend den Schwerpunkt der Regenfälle von der Landesmitte in den Westen und Südwesten. Das ECMWF rechnet in seinem 12z-Lauf sogar den Schwerpunkt im südlichen NRW – noch mit verkraftbaren Mengen. ECMWF 10. Juli 12z. Auch das erste hochaufgelöste Wettermodell, das ICON-EU vom Deutschen Wetterdienst (DWD), erkannte hier die Struktur recht genau, setzte den Streifen mit den meisten Regenfällen aber noch etwas westlicher als das ECMWF. ICON-EU 10. Juli 12z. Bereits sechs Stunden später, rechneten sowohl GFS als auch ICON-EU mit über 150 l/m² im südlichen NRW bzw. nördlichen Rheinland-Pfalz. ICON-EU 10. Juli 18z, GFS 10. Juli 18z. Am Sonntag, 11. Juli ergaben sich in den hochaufgelösten und in den gröber aufgelösten Globalmodellen schon erstaunliche Übereinstimmungen. Zum einen wurden die Schwerpunkte in NRW und Rheinland-Pfalz gesehen, zum anderen näherten sich die Berechnungen bei den erwarteten Niederschlagsmengen um 150 l/m² an. ICON-EU 11. Juli 00z, ECMWF 11. Juli 00z, GFS 11. Juli 00z.

Am Montagmorgen rechnete das ECMWF 12. Juli 00z mit weit über 150 l/m² in 72 Stunden für Rheinland-Pfalz. Eine ähnliche Berechnung gab das ICON-EU 12. Juli 00z ab. Ab Montagnachmittag und -abend kamen nun weitere hochaufgelöste Wettermodelle dazu, die nun bis in die Nacht zum Donnerstag rechneten. Auch das ICON-D2, ebenfalls ein Modell des DWD, deckte nun den gesamten Zeitraum bis Donnerstag 2 Uhr ab. Das Besondere und Einzigartige an diesem Modell ist, dass es alle drei Stunden neu berechnet wird und damit so schnell wie kein anderes Wettermodell, aktuelle Wetterbedingen und Messwerte in die Prognose der nächsten 48 Stunden einfließen lassen kann. Die Prognosen vieler Modelle sahen nun so aus: Starke und ergiebige Niederschläge mit Mengen bis um die 200 l/m². ICON-D2 12. Juli 18z, EURO-4 12. Juli 18z: (wobei das Euro-4 oft massiv übertreibt bei den Niederschlagsmengen)

Für die Abschätzung der Wettermodelle, wo am meisten Archiv-Bild von einem HochwasserRegen fallen wird, war es wichtig die sogenannten Schauerstraßen einigermaßen genau zu erfassen. Es war klar, dass der meiste Regen durch konvektiv (schauerartig) verstärkte Niederschläge fallen würde und wo genau diese Verstärkungen auftreten, ist vorher kaum lokal vorherzusagen. Es war aber auch klar, dass durch diese Verstärkungen binnen weniger Stunden teils mehr als 50 l/m² fallen können. Nun richten wir den Fokus mal auf die erfahrungsgemäß guten Modelle bei Niederschlagsvorhersagen und lassen die Globalmodelle, die kleinräumigere Schauer und Gewitter ohnehin nicht richtig erfassen können, aus der Betrachtung heraus.
Am Dienstagfrüh rechnete das ICON-D2 13. Juli 06z vom Kölner Raum bis in den Landkreis Euskirchen punktuell über 200 l/m². Das SuperHD 13. Juli 06zWettermodell der Kachelmann Group setzte den Schwerpunkt noch knapp auf belgischer Seite, rechnete in einem schmalen Streifen aber über 150 l/m². Das Modell der Niederländer, namens HARMONIE 13. Juli 06z, kam in seiner Berechnung ebenfalls auf über 200 l/m² in Rheinland-Pfalz.
Spätestens jetzt hätte niemand mehr von einem Hochwasser überrascht werden müssen. Denn solche Mengen binnen weniger als 48 Stunden, können von einem bereits durch vergangene Niederschläge gesättigten Boden nicht aufgenommen werden.

Im Tagesverlauf rückte das SuperHD 13. Juli 12z den Schwerpunkt von Belgien nun auch nach Süd-NRW und ins nördliche Rheinland-Pfalz. Das ICON-D2 im 12z-Lauf mit über 200 l/m² vom Rheinland bis in die Eifel. Über 200 l/m² erwartete das HARMONIE 13. Juli 12z in Rheinland-Pfalz und auch das Wettermodell der Franzosen AROME 13. Juli 12z rechnete in Richtung Eifel flächig mit weit über 100 l/m².

Ein letzter Blick auf die Wettermodelle vom Dienstagabend, bevor der Regen einsetzte. Das SuperHD 13. Juli 18z Modell rechnete für die nächsten 36 Stunden flächig 100 bis 150 l/m², lokal darüber, für einen Streifen vom südlichen NRW bis Richtung Saarland. Das ICON-D2 13. Juli 18z erwartete von der Region Hagen bis in die Vulkaneifel in der Fläche 100 bis 200 l/m², punktuell über 200 bis 250 l/m². 100 bis 200 l/m² wollten das AROME 13. Juli 18z und das HARMONIE 13. Juli 18z sehen. Selbst die gröber aufgelösten Globalmodelle rechneten alle Summen von 100 bis 200 l/m², wenn nicht sogar mehr. ICON 13. Juli 18z, GFS 13. Juli 18z, ACCESS-G 13. Juli 18z (Australisches Modell).

Man muss wahrlich kein Experte sein um zu wissen, dass diese Niederschlagssummen zu einem erheblichen Hochwasser führen werden. Zum Vergleich: Im Mittel der letzten 30 Jahren fielen auf ganz NRW gerechnet etwa 80 l/m² im gesamten Monat Juli. Nun wird die zwei- bis dreifache Menge in weniger als 36 Stunden erwartet.
Die Wettermodelle haben diese Katastrophe angekündigt und zwar mehrere Tage im Voraus. Es war überhaupt keine Überraschung, dass Bäche und Flüsse über die Ufer treten werden, dass Regionen großflächig überflutet werden. Wahrscheinlich konnte noch nie ein solches Extremereignis so genau und so lange im Voraus vorhergesagt werden.

Die Warnungen des Deutschen Wetterdienstes
Am Montagvormittag, 12. Juli 2021 gab der Deutsche Wetterdienst (DWD) erste Vorabinformationen für den Bereich NRW, Rheinland-Pfalz und einige Teile des Saarlandes heraus. Eine Vorabinformation dient der frühzeitigen Ankündigung, dass ein Unwetterereignis bevorstehen kann. Am Nachmittag informierte der DWD zusätzlich per Video auf YouTube und den angeschlossenen Internetauftritten sowie in der DWD Warn-Wetter-App. Die DWD-Warnkarte am Mittwoch, 13. Juli 2021 | Quelle: DWD.de Noch am selben Abend gab der DWD erste Unwetterwarnungen für die entsprechenden Gebiete heraus.
Am Dienstagvormittag, 13. Juli erhöhte der Wetterdienst für das südwestliche NRW und nordwestliche Rheinland-Pfalz die Warnstufe auf die höchstmögliche. Dazu der Twitter-Eintrag: Ein weiteres Video wurde am Nachmittag veröffentlicht. Am Mittwochvormittag wurde die höchstmögliche Unwetterwarnstufe (Extremes Unwetter) in NRW nordostwärts und in Rheinland-Pfalz südwärts ausgeweitet und beinhaltete nun sogar Teile des Saarlandes.
Hier sehen Sie rechts einen Screenshot der DWD-Warnseite vom Mittwochnachmittag. Klicken Sie diesen bitte an und lesen sich den entsprechenden Warntext durch. Am Mittwochmittag informierte der DWD erneut in einem zusätzlichen Video.
Desweiteren weist der DWD daraufhin, dass man sich bei den entsprechenden Landesanstalten zur Hochwassersituation informieren soll, wie beispielsweise bei Hochwasserzentralen.de. Diesen Hinweis gibt der DWD übrigens bei jeder Warnung heraus, bei der Regen eine Rolle spielt.
Da der Niederschlag in den Abendstunden recht schnell nach Belgien abgezogen ist und keine weiteren Regengebiete zu erwarten waren, wurden die Warnungen vor extrem ergiebigem Dauerregen am Mittwoch spät abends aufgehoben - knapp acht Stunden früher als veranschlagt.
Fazit: Es gab die Warnungen und diese waren für alle Menschen, aber auch für alle Behörden jederzeit zugänglich und hätten großflächig verbreitet werden müssen.

Die gefallenen Niederschlag und wie die Katastrophe ihren Lauf nahm
Leider sind nicht alle Messdaten vorhanden, da die Stromausfälle in den betroffenen Gebieten natürlich auch die Wetterstationen lahmlegen. Aber dennoch lassen sich sowohl aus den Messwerten der Wetterstationen, als auch aus den Analysen der Radarbilder die Mengen abschätzen.
Zunächst sehen wir uns die Radarbilder an: Am Dienstag, 13. Juli um 22 Uhr begann es mit einzelnen Schauern und Gewittern, die sich über der Eifel und dem Sauerland bildeten und west- bis südwestwärts zogen. Besonders betroffen war in der Nacht zum Mittwoch die Stadt Hagen. Sie sehen hier den Radarfilm von Dienstag 22 Uhr bis Mittwoch 6 Uhr. Der Niederschlag traf von 23 bis 2 Uhr vor allem den östlichen Teil der Stadt extrem. Aber auch anschließend regnete es teils kräftig weiter, ehe der Regen zum Morgen allmählich nachließ.

Die berechneten Summen aus den Radarbildern zeigen für den Ostteil Hagen Niederschlagssummen von über 150 l/m² bis Mittwoch 8 Uhr. Ein privates Messnetz professioneller Wetterstationen in Hagen, legte das Ausmaß der Niederschläge in konkreten Zahlen dar. Unfassbare 211 Liter pro Quadratmeter fielen im Stadtteil Nahmer binnen 24 Stunden, der Hauptteil sogar innerhalb von vier Stunden. Allein zwischen 0 und 1 Uhr fielen hier 79 l/m² - eine Monatssumme in einer Stunde. Der Pegel, der durch Hagen fließenden Volme, stieg von ca. 110 cm am Dienstag auf ca. 260 cm am Mittwochmorgen und mit den weiteren Regenfällen am Mittwochnachmittag letztlich auf rekordverdächtige 440 cm. Möglicherweise lag der Pegel sogar noch höher, konnte aber vom System nicht mehr erfasst werden, dies würde eine mehrstündige Gerade in der Ganglinie erklären.

Im Radarfilm von Dienstag 20 Uhr bis Mittwoch 8 Uhr sehen Sie, wieArchiv-Bild von einem Hochwasser die Niederschläge in der Nacht erst über der Mitte NRWs liegen und später nach Südwest ausgreifen. Die Messwerte der Wetterstationen zeigen für diesen Zeitraum noch keine dramatischen Summen in der Eifel, aber vom Sauerland bis zum Ruhrgebiet sind teils deutlich über 50 l/m² gefallen. Die Summen in der Radarauswertung. Bis 14 Uhr zogen die Niederschläge weiter nach Rheinland-Pfalz. An den gelben und roten Farben erkennt man Starkregen. Die eigentliche Katastrophe nahm erst am Mittwochnachmittag ihren Lauf.

Der Regen verstärkte sich vom Münsterland und Ruhrgebiet kommend immer mehr und zog bis zum Abend in einem Streifen nach Südwesten. Besonders betroffen waren die Regionen Wuppertal, Köln, Hagen, Düsseldorf, die Landkreise der Eifel, sowie die Regionen bis zur Saar. Nach 23 Uhr können Sie sehen, wie ein Teil des Regens über Belgien und dem westlichen Rheinland-Pfalz plötzlich verschwindet. Dies lag daran, dass der Radarstandort Neuwiedenthal ab diesem Zeitpunkt keinen Strom mehr hatte und entsprechend ausgefallen ist.
Die Kachelmann Group bietet auf ihrer Seite Kachelmannwetter.com entsprechende Tools an, die Echtzeit-Daten auswerten und in Warnungen umwandeln. Ein Mitarbeiter der Kachelmann Group hat auf Twitter eine schöne Übersicht gegeben, wie die Warnungen im Laufe des Mittwochs nach und nach ausgegeben wurden.

Beim Blick auf die 24-stündigen Niederschlagssummen bis Donnerstag 8 Uhr zeigt sich ein Streifen vom Ruhrgebiet, über die Eifel bis an die Saar und Mosel, im dem weit über 100 l/m² gefallen sind. Dazu muss man wissen, dass diese Mengen tatsächlich in einem Zeitraum von nur 12 Stunden gefallen sind. Spitzenreiter war Köln-Stammheim, wo 154 l/m² gefallen sind – ein Rekord seit Messbeginn 1945.
Wenn Sie diesen Link anklicken und in der Zeile oben den 14. Juli 2021 auswählen, bekommen Sie unter anderem eine Liste mit den Niederschlagssummen der Wetterstationen angezeigt. Alle Stationen mit einem rothinterlegten A+ sind Allzeitrekorde für jene Station. Die mit orangehinterlegten M+ haben einen neuen Rekord für den Monat Juli aufgestellt. Wenn Sie auf das A+ oder M+ klicken, können Sie sehen, wann und wie hoch der alte Rekord war und seit wann dort gemessen wird.

Für den gesamten Zeitraum zeigt sich das gesamte Ausmaß dieser Wetterlage. In einem großflächigem Gebiet sind Mengen von deutlich über 100 l/m², im Landkreis Euskirchen, im Rheinland und entlang der Ruhr bis zum Sauerland über 150 l/m² gefallen. Vom Märkischen Kreis bis nach Hagen waren es nach Radarauswertung unfassbare Regenmassen von 200 bis teils 275 l/m².
Insgesamt dürfte eine Fläche von Archiv-Bild von einem Hochwasserschätzungsweise 15.000 Quadratkilometer eine Summe von mindestens 100 l/m² erlebt haben. Und diese Billionen Liter Wasser müssen zwangsläufig irgendwo abfließen. Kein Wunder, dass Flüsse wie die Ahr ihre alten Rekordpegelstände pulverisiert haben. In Altenahr (RLP) konnte der Pegel nur bis 575 cm gemessen werden, für einen noch höheren Pegel wurde diese Messstation nicht eingerichtet. Nachtrag 20. Juli: Die Bürgermeisterin von Altenahr, Cornelia Weigand, sprach mit dem Fernsehsender Phoenix über das Ausmaß der Zerstörungskraft, die der Fluss entwickelt hat. "(…) gleichzeitig ist die Ahr enorm schnell gestiegen und hat ungefähr die dreifache Höhe gehabt von unserem Jahrhunderthochwasser vor fünf Jahren. Wir hatten eine Flutwelle, die war wahrscheinlich um die neun bis zehn Meter hoch." Der bisherige Rekord, der erst im Juni 2016 aufgestellt wurde, lag bei 371 cm. Auch an der Ruhr, der Erft, der Wupper und etlichen weiteren Flüssen wurde die alten Rekorde deutlich überschritten. NRW und Rheinland-Pfalz, sowie die angrenzenden Regionen in Belgien, Luxemburg und den Niederlanden haben wahrlich eine Jahrhundert-, wenn nicht sogar Jahrtausendflut erlebt.

Die ernüchternde und schockierende Bilanz
Wir Menschen glauben alles im Griff zu haben und alles bewältigen zu können. Wir Menschen brauchen uns nicht einbilden, dass eine solche Katastrophe verhindert werden konnte, und auch in Zukunft sind wir einfach nur machtlos gegenüber diesen Fluten. Natürlich kann man Flüsse breiter machen, Dämme und Deiche bauen, dem Fluss Überschwemmungsflächen anbieten, aber die Wahrheit wird sein: Nichts und niemand kann diese Wassermassen bändigen. Auch Talspeeren hätten diese Wassermassen nicht komplett aufhalten können. Kritik darf man den Talspeerenbetreibern in NRW und Rheinland-Pfalz sicherlich zukommen lassen. Aus Angst vor einem neuerlichen Dürre-Sommer waren viele Talspeeren zu voll und hätten spätestens am Montag vorsorglich Wasser ablassen müssen.
Einen weiterer Kritikpunkt geht an die, die in der Verantwortung sind, dass diese Vorhersagen und Warnungen die Bevölkerung auch erreichen. Dafür wären unter anderem Medienanstalten, wie Fernseh- und Radiosender, die entsprechenden Online-Angebote verantwortlich. Aber auch die Landesregierungen selbst, sowie alle, die in irgendeiner Art und Weise weisungsbefugt sind, wie Land- und KreisrätInnen, BürgermeisterInnen, hätten ihre BürgerInnen warnen können und müssen! Leider ist dies zum wiederholten Male nicht passiert. Sich am Ende hinzustellen und so zu tun als hätte es die Vorhersagen und die Warnungen nicht gegeben, ist nicht begreifbar.

Dass mehr als 100 Menschen durch diese Katastrophe ihr Leben verloren haben, dass tausende, wenn nicht hunderttausende Menschen all ihr Hab und Gut verloren haben, ist unfassbar traurig und macht sprachlos. Niemand müsste durch ein Unwetter in Deutschland sein Leben verlieren. Es wäre genug Zeit gewesen, alle Menschen in den gefährdeten Regionen zu warnen und zu evakuieren. Doch leider haben viele Menschen diese überlebenswichtigen Informationen nicht rechtzeitig bekommen und wurden von dieser Katastrophe überrascht.

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https://wetter-markneukirchen.de.tl/R.ue.ckblick/index.htm#Die_Jahrhundertflut_in_NRW_und_Rheinland-Pfalz_-_War_die_Katastrophe_absehbar_

Bildquellen: Eigenes Archiv


 

 RÜCKBLICK JUNI 2021: Erste Hitzewelle und heftige Gewitter begleiteten den Sommerstart
  Autor: Florian Wunderlich am 01.07.2021 um 19:18 (UTC)
 
Deutschlandweit war der Juni der Drittwärmste seit Aufzeichnungsbeginn nach 2019 und 2003. Mit den sommerlichen Luftmassen beschäftigen uns vor allem wieder heftige Unwetter, die mancherorts für große Schäden sorgten.

Gleich zu Beginn des Monats wurde an der Wetterstation Markneukirchen-Platten mit 4,4 Grad die tiefste Temperatur gemessen. Abgesehen davon war die erste Monatshälfte geprägt durch sommerlich angenehme Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad, einziger Ausreißer nach unten war der 13. Juni. Mit Beginn der zweiten Hälfte brachte eine ausgeprägte Südwestlage die erste Hitzewelle des Jahres nach Mitteleuropa, die ihren Höhepunkt am 19. Juni fand. 30,7 Grad wurden an der WS Markneukirchen-Platten gemessen, in der darauffolgenden Nacht ging die Temperatur nicht unter 19,3 Grad zurück. In der letzten Juniwoche kühlte es zwischenzeitlich etwas ab, ehe ein weiterer Warmluftvorstoß erneut Werte bis 27 Grad brachte. Insgesamt lag die Monatsdurchschnittstemperatur bei 17,9 Grad und damit 2,7 Grad über dem neuen Klimamittel der Jahre 1991 bis 2020 und sogar 4,1 Grad über der Klimaperiode von 1961 bis 1990. An 25 Tagen stieg die Temperatur über die 20-Grad-Marke, an 10 Tagen davon über die offizielle Sommermarke von 25 Grad und an 2 Tagen davon auch über die 30-Grad-Marke. Im Gegenzug gab es nur 4 Nächte, in denen die Werte unter 10 Grad gefallen waren.

Aufgrund der überwiegend warmen Luftmassen in Verbindung mit viel atmosphärischer Feuchtigkeit gab es im Juni immer wieder Schauer und Gewitter. In energiereicher Luftmasse erreichten diese auch Unwettercharakter. So gab es sowohl im ersten, als auch im letzten Drittel des Monats mehrere Tage in Folge Gewitter, die unsere Region jedoch nicht ganz so heftig trafen. Dabei gab es dennoch Starkregen, der sich in der Niederschlagsbilanz deutlich macht. Am 06., 21. und 25. Juni regnete es mehr als 10 Liter pro Quadratmeter, insgesamt konnte jedoch an 15 Tagen eine messbare Niederschlagssumme registriert werden. In Summe fielen im Juni an der WS Markneukirchen-Platten 66,9 Liter pro Quadratmeter. Dies entspricht fast exakt dem Klimamittel der Jahre 1991 bis 2020. Vergleicht man dies mit dem älteren Klimamittel von 1961 bis 1990, ergibt sich ein leichtes Defizit von knapp 14 Prozent.

Nach den trüben Monaten April und Mai schien die Sonne nun im Juni wieder spürbar mehr. An jedem einzelnen Tag gab es Sonnenschein, am wenigsten mit 0,1 Stunden am 06. Juni und am meisten mit 15,6 Stunden am 17. Juni. Insgesamt kam eine Sonnenscheindauer von 216,8 Stunden zusammen, was nur minimale 4 Prozent mehr sind als im Mittel der letzten 30 Jahre und 9 Prozent mehr als im älteren Mittel der Jahre 1961 bis 1990.

Zum Abschluss ein kleiner Blick auf die erste Jahreshälfte 2021: Mit einer Mitteltemperatur von 5,2 Grad beträgt die Abweichung -0,8 Grad im Vergleich der letzten 30 Jahre und +0,7 Grad im Vergleich zu 1961 bis 1990. Bislang sind in 2021 353,1 Liter pro Quadratmeter gefallen, ein Plus von 12 Prozent im Vergleich der letzten 30 Jahre und einer kaum nennenswerten negativen Abweichung von etwa 1 Prozent im Vergleich zu 1961 bis 1990. Außerdem schien die Sonne im ersten Halbjahr 750,8 Stunden, dies ist ein Minus von 10 Prozent zum Mittel der Jahre 1991 bis 2020. Vergleicht man das mit 1961 bis 1990, beträgt die Abweichung knapp -3 Prozent.

Der Juni 2021 im Archiv


 

 RÜCKBLICK FRÜHLING 2021: Jahreszeit tanzt aus der Reihe - Erstmals seit Jahren zu kalt
  Autor: Florian Wunderlich am 01.06.2021 um 09:46 (UTC)
 
In den meisten Fällen trügt uns der subjektive Eindruck beim Wetter, dieses Jahr aber nicht. Was wir wohl alle geahnt und gespürt haben, zeigt sich auch in der Statistik: Der Frühling 2021, also die Monate März, April und Mai waren im Deutschlandmittel erstmals seit dem Jahr 2013 wieder zu kalt ausgefallen. Und nicht nur das: Der Frühling war die erste aller klimatischen Jahreszeiten, die seit acht Jahren oder 31 (!) zu warmen Jahreszeiten in Folge mit einer negativen Temperaturabweichung abschloss. Um dies wieder zu erreichen, müssten von nun an alle Jahreszeiten bis Winter 2028/29 zu warm ausfallen. Auch in Sachen Niederschlag und Sonnenschein war dieses Frühjahr ganz anders als insbesondere die drei vorangegangenen Jahre. Es gab eine übliche Niederschlagsmenge, ganz ohne längere Trockenheit und nach zuletzt einem rekordsonnigen Frühjahr, blieb es dieses Jahr sogar häufiger mal grau.

An der Wetterstation Markneukirchen-Platten kamen die Monate März, April und Mai auf eine mittlere Temperatur von 5,3 Grad und blieben damit 2,1 Grad unterhalb der Klimareferenzperiode von 1991 bis 2020. Weniger stark fiel die Abweichung im Vergleich zum Mittel der Jahre 1961 bis 1990 aus, hier beträgt diese lediglich -0,6 Grad. Während der März noch durchschnittlich temperiert ausfiel, waren April und Mai durch eine eingefahrene Wetterlage teils deutlich zu kalt. Immer wieder bestimmten sogenannte Troglagen unser Wetter, was bedeutet, dass teils Luft arktischen Ursprung weit nach Süden strömt. Im Mai machte sich dazu der Einfluss zahlreicher Tiefs bemerkbar, die für häufige Niederschläge, vor allem Schauer und Gewitter sorgten. Nur kurzzeitige Strömungsänderungen auf südliche Richtungen brachten Ende März Wärme und zahlreiche Rekorde sowie im Mai sommerliche Temperaturen. Hier wurde dann am 10. Mai mit 27,1 Grad die höchste Temperatur des Frühlings gemessen, am kältesten war es am 06. März mit -8,1 Grad, am Erdboden sogar -11 Grad. Mit insgesamt 41 Frosttagen und 57 Bodenfrosttagen waren dies etwa doppelt so viele wie die Jahre davor.

Wie beschrieben war der Mai durch anhaltenden Tiefdruckeinfluss geprägt und der nasseste Monat des Frühlings, März und April hingegen erreichten nur dreiviertel der üblichen Summe. Insgesamt fielen im Frühling 161,2 Liter auf den Quadratmeter, dies entspricht einem marginalen Plus von knapp 10 Prozent gegenüber dem Mittel 1991 bis 2020, aber einem minimalen Minus von 10 Prozent im Vergleich zu 1961 bis 1990. An 55 der 92 Tage des Frühlings fiel Niederschlag, an 32 Tagen als Schnee. Vor allem im März und April war der Schnee und Graupel häufige Begleiter. An 18 Tagen lag zum abendlichen Messzeitpunkt an der Wetterstation Markneukirchen-Platten Schnee, an 10 Tagen eine geschlossene Schneedecke. Am höchsten lag der Schnee am Ostermontag und Dienstag (05. und 06. April) mit 9 Zentimeter. Letztmals lag dieser am 16. April und Flocken fielen letztmalig am 07. Mai. Den meisten Tagesniederschlag gab es am 12. Mai mit 24,6 Liter pro Quadratmeter.

Was den Gesamteindruck dieses Frühjahrs insbesondere beeinflusst hat, war die oftmals fehlende Sonne. Zwar schien die Sonne in allen drei Monaten etwa gleich viel, allerdings nahm die prozentuale Abweichung später - logischerweise - immer mehr zu. Der März war noch etwas überdurchschnittlich sonnig, April und Mai jedoch nicht mehr. Der Mai war dabei nicht nur prozentual, sondern auch in absoluten Zahlen der sonnenscheinärmste Frühlingsmonat. Insgesamt kamen 408,6 Stunden Sonnenschein zusammen, das bedeutet ein deutliches Minus von 19 Prozent im Mittel der letzten 30 Jahre und ebenso ein Minus von fast 11 Prozent im Mittel der Jahre 1961 bis 1990. Den meisten Sonnenschein gab es am 30. Mai, einem fast wolkenlosem Sonntag mit 15,4 Sonnenstunden.

Der kühle Frühling hat sich deutlich auf die Vegetation ausgewirkt. Ende Mai ist die Entwicklung der Natur noch immer fast zwei bis drei Wochen je nach Kultur hinter den Vorjahren zurück. Dagegen erstrahlen, anders als in vergangenen Frühjahren, Felder und Wiesen in saftigem Grün. Ob das so bleibt, wird sich zeigen, denn es ist keineswegs sicher, dass das Wetter den Sommer über wechselhaft und kühl bleibt, es kann sich gar komplett drehen und auf den kühlen Frühling, folgt ein heißer Sommer. Letztlich weiß es niemand, auch das Wetter noch nicht.



 

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